Sorgen um den Weiterbau auf dem Wolfsberg

Als im Stadtrat die Einrichtung der ersten Trierer Gesamtschule beschlossen wurde, waren sich alle Fraktionen darüber im Klaren, dass die neue Schulform auch eine neue bauliche Gestaltung brauchen würde. Doch der finanzielle Spielraum der Stadt ist seither noch enger geworden.


Auch wenn dieses Foto vom Schulhof am Wolfsberg am Nachmittag entstand: Für die Baumaßnahmen an der IGS ist es fünf vor 12. TV-foto: F. Vetter/Archiv

Trier. Anfragen von Grünen und SPD brachten es an den Tag: Die für das kommende Jahr geplanten Baumaßnahmen an der IGS stehen nicht im städtischen Haushaltsentwurf, sind also nach dem aktuellen Stand nicht finanziert. An der Schule mischen sich Schrecken und Verblüffung. Das sei “völlig überraschend”, sagt Schulleiter Josef Linden; noch bei einer Sitzung des Schulträgerausschusses kürzlich auf dem Wolfsberg sei davon “nicht die Rede gewesen”.
Dass die Schule schon seit längerem eine Baustelle ist – aktuelle Arbeiten an Klassentrakt und Fahrstuhl haben sich unplanmäßig verzögert – daran hat man sich gewöhnt. Aber dass nun völliger Stillstand drohen könnte, macht nicht nur Schulleiter Linden Sorgen. Die geplante Mensa-Erweiterung sei “absolut unverzichtbar”, sagt Linden und verweist auf die riesige Nachfrage nach Ganztagsplätzen. Auch die Arbeiten an den Fachsälen und an der Dachsanierung könnten nicht verschoben werden.
Das sieht auch die zuständige Schuldezernentin Angelika Birk so. Man könne “die IGS nicht hängen lassen”, betont die Grüne. Dass der Weiterbau nicht im Haushaltsplan verankert ist, sei keineswegs eine Sparmaßnahme. Das zuständige Amt für Gebäudewirtschaft habe bislang aufgrund anderweitiger Belastungen noch keine detaillierte Kostenkalkulation geliefert. Da aber nur durchkalkulierte Projekte in den Haushalt aufgenommen werden dürften, fehle der IGS-Weiterbau.
Oberbürgermeister Klaus Jensen hat unterdessen in der nichtöffentlichen Sitzung des Steuerungsausschusses angekündigt, die nötigen Mittel in einem Nachtragshaushalt einzustellen. Darauf setzt auch Dezernentin Birk, selbst wenn sie weiß, “dass wir uns da ganz schön ranhalten müssen”. Aber in Sachen IGS gebe es “einen breiten fraktionsübergreifenden Konsens”. Freilich gibt es eine weitere Unbekannte in dem Spiel: Im Moment weiß niemand, ob, wann und mit welchen Auflagen die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) den städtischen Etat genehmigt. Davon hängt auch ein möglicher Nachtragshaushalt ab. Denkbar, dass es im kommenden Jahr eine längere Hängepartie gibt – zu Lasten der IGS. Die Schuldezernentin müht sich um Optimismus, kommt aber am Fazit nicht vorbei: “Letztlich wissen wir alle nicht, wie das wird.” DiL

Trierischer Volksfreund Printausgabe 08.12.2011

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Von der Größe der Idee zu den Mühen des Alltagsgeschäfts

Besonders intensive Betreuung, neue Lernformen, doppelte Lehrerbesetzung: So lauten die allseits gepriesenen Vorzüge der Integrierten Gesamtschule. Der Alltag in Trier folgt allerdings nicht immer der Theorie.

Trier. Mit ebenso viel Enthusiasmus wie Idealismus sind viele Lehrer und auch etliche Eltern auf den IGS-Zug aufgesprungen. Soziales Lernen, gemeinsamer Unterricht statt Selektion, begreifen statt pauken: Das hat viele gereizt. Allerdings erfordert die neue Art von Schule auch eine intensive Betreuung durch die Lehrer. Und das geht nur mit entsprechendem Personal. Nach starkem Start mit dem ersten Jahrgang hat inzwischen eine gewisse Ernüchterung Einzug gehalten. Eltern berichten, dass für den ambitionierten Unterricht des öfteren das Extra-Personal fehlt. Und Lehrer sind frustriert, dass sie ständig Lücken schließen müssen.
Schulleiter Josef Linden lobt das “besonders große Engagement” seiner Lehrer, ohne die “es längst nicht mehr gehen würde”. Und er hat auch Verständnis für die Unzufriedenheit mancher Eltern. Die aktuellen Personalengpässe seien aber durch unglückliche Umstände entstanden, nicht durch einen zu eng geschnittenen Stellenplan.
Ein Lehrer ist kürzlich gestorben, andere fehlen aufgrund langfristiger Erkrankungen. Ersatz zu finden, ist aber – je nach Fach – ein schwieriges Unterfangen. “Der Markt ist in manchen Fächern einfach leer”, sagt Linden. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) als Schulbehörde sei “echt bemüht, der IGS zu helfen”, habe aber auch nicht immer Personal zur Hand. Erschwerend kommt hinzu, dass auf dem Wolfsberg parallel zum neuen IGS-Zweig auch noch die letzten Jahrgänge der Realschule plus unterrichtet werden. Viele Lehrer sind für beide Schulformen tätig. Und im Zweifelsfall, so räumt Linden unumwunden ein, verzichte er eher notgedrungen auf die Doppelbesetzung an der Gesamtschule, als an der Realschule plus den Unterricht ganz ausfallen zu lassen.
Aktuell hat man sich durch die übergangsweise Verpflichtung mehrerer Referendarinnen geholfen, aber das trägt nur bis zum Schuljahresende im Februar. Danach, betont der Schulleiter, “müssen die Planstellen zügig wieder besetzt werden”. DiL

Trierischer Volksfreund Printausgabe 08.12.2011

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Musizieren, diskutieren, Blumen gießen – Die IGS Trier im TV

“Das dreigliedrige Schulsystem hat ausgedient”, findet Josef Linden, Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Trier. Dort lernen alle Kinder gemeinsam, unabhängig davon, welche Empfehlung sie in der Grundschule bekommen haben. Wie das praktisch funktioniert, zeigt ein Tag in der 5c.


Ein Mädchen macht während des Klassenrates das Ruhezeichen.

Trier. “Drei, zwei, eins – los!” Die Kinder aus der Klasse 5c springen auf, schieben Tische hin und her, stapeln Schultaschen auf die Fensterbank, tragen Stühle durch den Raum. Genau zwei Minuten und neun Sekunden später ist es still. 27 Kinder und zwei Lehrer sitzen in einem Stuhlkreis zusammen. Alle haben den Zeigefinger der einen Hand vor den Lippen, die andere Hand in der Luft: das Ruhezeichen. Klassenlehrer Marco Jakobs trägt “2.09 Minuten” in eine Tabelle auf einer der zwei Tafeln im Klassenraum ein – gleich neben die Aufgaben für die Lernzeit. “Das war eine gute Zeit”, sagt er.
Die zweite Klassenlehrerin Melanie Lawrenz nickt. Gleichzeitig behält sie Daniel (Namen aller Kinder von der Redaktion geändert) und Jonas im Blick. Beide haben Probleme, sich zu konzentrieren.
Daniel hat eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Er ist unruhig und dauernd in Bewegung, dabei lenkt er nicht nur sich selbst, sondern oft auch seine Nachbarn ab. Bei Jonas wurde vor zwei Jahren das Asperger-Syndrom diagnostiziert, eine Form von Autismus. Er hat sogenannte Inselbegabungen, kennt sich sehr gut in Mathe, Biologie und anderen Naturwissenschaften aus. Im sozialen Bereich hat es Jonas hingegen schwer: Er muss vieles mühsam lernen, was andere Kinder intuitiv können. Hinter ihm sitzt eine Schulbegleiterin, die den ganzen Tag bei ihm bleibt und ihn unterstützt. Zwischen den beiden Jungen sitzt Anna, die von der Grundschule eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen hat. Sie hatte schon immer sehr gute Noten und nie große Probleme mit dem Lernen. Es ist Donnerstagmorgen, ein ganz normaler Schultag beginnt in der Integrierten Gesamtschule (IGS) Trier. Im Stundenplan der Klasse 5c steht: Klassenrat.
Klassenrat? Zwei Klassenlehrer? Lernzeit? An der IGS ist vieles anders, vieles neu, vieles ungewöhnlich. Die Schule ist ein Versuchslabor dafür, was jenseits des dreigliedrigen Schulsystems möglich ist: Es kann jeder Schulabschluss erworben werden, von der Berufsreife bis zum Abitur. In der gleichen Klasse lernen Förderkinder und Kinder mit Gymnasialempfehlung gemeinsam, bearbeiten aber je nach ihren persönlichen Fähigkeiten Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Neben den gängigen Schulfächern wie Mathematik, Deutsch und Englisch lernen sie Musikinstrumente, arbeiten handwerklich und absolvieren im Laufe ihrer Schulzeit mehrere Sozialpraktika. Hausaufgaben gibt es nur selten. Jede Klasse hat zwei Klassenlehrer, auch einige Schulfächer werden im Zweier-Team unterrichtet. Eine Pausenklingel gibt es nicht.
Demokratieverständnis stärken


Im Klassenrat der 5c geschieht das, was Schulleiter Josef Linden die “Stärkung des demokratischen Verständnisses der Kinder” nennt: Zwei Mädchen beschweren sich, dass der Bücherdienst der Klasse nicht richtig arbeitet. Lehrerin Melanie Lawrenz bespricht mit den Kindern, wer sich um das Blumengießen kümmert. Jonas erklärt, was der Unterschied zwischen Palmen und anderen Grünpflanzen ist.
In den nächsten beiden Stunden spielt Anna Querflöte, Jonas Theater und Daniel Fußball. Fünf verschiedene Schwerpunkte gibt es, zwischen denen die Kinder zu Beginn der fünften Klasse wählen können. In der Bläserklasse von Marco Jakobs kämpft ein Mädchen mit dem Saxofon, das partout nicht so will, wie es soll. Ein Junge verschwindet fast hinter seinem Euphonium, einem großen Blechblasinstrument. Obwohl 25 Zehn- und Elfjährige ebenso viele Instrumente in den Händen halten, ist es ruhig, wenn Marco Jakobs redet.
Während die Kinder in der Bläserklasse ein neues Stück einüben, sitzt Schulleiter Josef Linden in seinem Büro und erklärt das Konzept der IGS. “Wir sind hier ein Mikrokosmos der Gesellschaft”, sagt er, “alle Schüler haben unterschiedliche Fähigkeiten”.
Das zeigt sich in der letzten Stunde vor der Mittagspause: Mathe, Thema Bruchrechnung. In Tischgruppen sollen die Fünftklässler erst Papierkreise, dann daraus Tortenstücke ausschneiden. Es gibt Aufgaben in drei Schwierigkeitsgraden. Die Kinder suchen selbst aus, welche sie sich zutrauen. “Das können die schon ganz gut einschätzen”, sagt Klassenlehrerin Melanie Lawrenz. Anna zieht mit dem Zirkel einen Kreis auf das Papier. Sie ist genervt von den Jungen, die ihr gegenübersitzen. “Könnt ihr auch mal was machen?”, fragt sie gereizt. Daniel und sein Nachbar haben keine Lust auf Papierkreise und streiten sich lieber um einen Stift. An der Tischgruppe von Jonas ist die Aufgabe schnell gelöst. Damit sich der hochbegabte Junge nicht langweilt, spricht seine Schulbegleiterin mit ihm und seinem Nachbarn.
Trotz Beeinträchtigung integriert


Jonas ist in der Klasse trotz seiner Probleme voll integriert – gerade, weil er nicht der einzige mit einer Beeinträchtigung ist. Auch mit ADHS kennen sich die Kinder mittlerweile aus, für einen Jungen, der regelmäßig Tabletten nehmen muss, hängt an der Wand ein “Mediplan”, damit alle ihn daran erinnern können, falls er die Tablette vergisst. “Die Kinder sind sozial schon total fit, obwohl sie erst so kurz zusammen lernen”, sagt Klassenlehrerin Melanie Lawrenz zufrieden.
Nach der Mittagspause stehen noch vier Stunden auf dem Plan. Bis 16 Uhr bleiben die Fünftklässler an diesem Tag in der Schule, Hausaufgaben haben sie heute nicht. Das, was sie heute während des Unterrichts nicht schaffen, erledigen sie in der einstündigen Lernzeit. Klassenlehrer Marco Jakobs fragt Vokabeln ab, zwei Mädchen gestalten ein Plakat, Jonas liest. Anna ist müde, reibt sich die Augen und versucht, sich auf die Englischvokabeln zu konzentrieren. Daniel hält es nicht mehr auf dem Stuhl. Er gießt die neu angeschafften Pflanzen ein zweites Mal, geht dann zu einem Mitschüler, klaut ihm den Stift, setzt sich wieder hin, steht wieder auf. Viele Kinder sind unruhig, mehrmals muss Lehrer Jakobs die Klasse ermahnen.
Um 16 Uhr beendet Marco Jakobs die Stunde. Jonas trödelt, sein Sitznachbar hilft ihm, seine Sachen einzupacken. Daniel steht direkt vor der Klassentür und wartet auf das Zeichen zum Aufbruch. Anna gähnt.
Ein normaler Schultag der 5c geht zu Ende. Hinter den Zehn- und Elfjährigen liegen acht Stunden Unterricht – anderer Unterricht.

Trierischer Volksfreund Printausgabe 08.12.2011

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Dicke Luft in der Realschule plus Salmtal

Der Streit an der Realschule plus in Salmtal geht weiter: Während es aus der Klasse 9c viele Klagen über den Unterricht im Container gibt, ärgern sich Lehrer und Parallelklassen über die Debatte: Es werde ein Feldzug geführt.

Von Ursula Quickert, Trierischer Volksfreund Online 29.11.2011

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IGS Hermeskeil: Eltern fragen – Lehrer antworten

Binnen weniger Stunden haben etliche Eltern in der Integrierten Gesamtschule Hermeskeil vorbeigeschaut, um sich mit ihren Kindern über deren Angebote zu informieren.

Hermeskeil. Neue Schulformen stellen Eltern mehr denn je vor die Frage, welche die richtige für ihr Kind ist. Entsprechend gut angenommen worden ist der Tag der offenen Tür der Integrierten Gesamtschule (IGS). Drei Stunden standen Klassen- und Fachräume offen, in denen Lehrer und Schüler Einblick gaben in ihren Alltag.
Die IGS sei ja interessant, sagte Wolfgang Nellinger, ein Vater. Es gebe zwei Lehrer pro Klasse und die Schüler blieben bis zum neunten Schuljahr im Klassenverbund. Ihm sei jedoch wichtig gewesen, zu hören, wie die Realität aussieht. Daher nutzte er die Gelegenheit, Schüler der IGS zu fragen. Dass die Resonanz durchweg positiv war, wundert ihn nicht. Die Ausstattung der Schule mit Lehr- und Lernmaterialien sei ja “vom Feinsten”.
Voneinander lernen


Karin Zonker, die ebenfalls den Infotag nutzte, schätzt die IGS. Sie biete viele Vorteile wie das “Lernen voneinander”. Dabei profitierten ja nicht nur schwächere von stärkeren Schülern. Denn in aller Regel seien Schüler je nach Fach unterschiedlich stark, so dass es eher ein Geben und Nehmen sei. Daher spreche das “gemeinsam lernen” auch für eine Gesellschaft, die versuche, das umzusetzen.
Doch die in der Region noch junge Schulform bereitet Eltern auch Sorgen. Sie fragen sich, ob das gemeinsame Lernen auch funktioniert: Werden Lernziele erreicht oder geht das Konzept zulasten besserer Schüler? Wann wird wer wie gefördert und wie wird motiviert, wenn keiner mehr sitzenbleibt? Und was, wenn Schüler sich nicht einfügen wollen? Hinzu kommen Bedenken wegen der auf 120 Schüler begrenzten proppevollen vier Klassen in Hermeskeil. Melden sich mehr an, wird ausgelesen, was auch Kinder bedrückt, die mit ihren Schulkameraden zur IGS wollen. Außerdem sind die Chancen für spätere Schulwechsel stark eingeschränkt.
Ein Problem und die Folgen


Die Folgen des vom Kultusministerium zu verantwortenden Problems seien mitunter gravierend, sagte ein Vater, der ungenannt bleiben wollte: “Es gibt Eltern, die Richtung Trier umgezogen sind, damit ihre Kinder diese Wechselmöglichkeit haben.” Denn Kindern, die das Gymnasium verlassen, bleibt der Weg zur IGS mangels freier Plätze eventuell verschlossen. Sie müssten dann zu einer Realschule plus (R+), womit es schwieriger wird, später Abitur zu machen.
Die Perspektive Abitur ist ein gewichtiger Vorteil der IGS, weiß Christa Breidert, Rektorin der Hermeskeiler IGS und Realschule plus.
Viele Eltern fragten, inwieweit sichergestellt sei, dass IGS-Schüler bis zum Abitur an der Schule bleiben könnten. Daneben stünden Aufnahmemodalitäten im Vordergrund. Zu der in Schreiben an den Trierischen Volksfreund geäußerten Sorge von Eltern, IGS-Schüler müssten unter Umständen doch die Schule verlassen und zu einer R+ wechseln, betont Breidert: “Ein Nichtschaffen gibt es in der Form nicht an der IGS.”
Seit dem Start der Schule im August 2010 habe noch kein Kind die Schule verlassen müssen: “Wenn es Abmeldungen gab, lief das auf privater Basis.”
Bedenken wegen fehlender Erfahrungswerte, ob es denn auch funktioniert mit dem gemeinsamen Lernen an einer IGS, entkräftet sie ebenfalls: “In Rheinland-Pfalz gibt es seit 30 Jahren IGS, die grundsächlich Erfolge aufzuweisen haben”.

Trierischer Volksfreund 28.11.2011

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Schonfrist für das Speicherer Schulzentrum

Die schlechte Nachricht für Speicher ist: Schon wieder hat die Schulaufsicht der geplanten Realschule plus eine Absage erteilt. Die gute ist hingegen: Anders als befürchtet, läuft der Schulbetrieb bis 2013 ganz normal weiter. Zeit, in der die Schule für sich werben kann.


Das Speicherer Schulzentrum kämpft um seine Zukunft. TV-Foto: Katharina Hammermann

Speicher. Kaum ist Pause, füllt das fröhliche Johlen Dutzender Grundschüler die warme Herbstluft. Innerhalb weniger Sekunden haben die Schnellsten Schaukeln und Klettergerüste erobert, während andere kichernd und rufend wild durcheinanderwuseln. Ein Sinnbild prallen Lebens.
Schwer zu glauben, dass die weiterführenden Schulen gleich nebenan um ihren Fortbestand kämpfen müssen. Ein Kampf, in dem sie schon viele Runden verloren haben. Ein Kampf, der trotz einer weiteren Niederlage noch nicht vorbei ist. Ein Kampf, für den es nun neue Hoffnung gibt.
Zwar hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier der Simon-Salomon-Realschule und der St.-Michael-Hauptschule erneut eine Absage erteilt. Auch im kommenden Schuljahr dürfen sie nicht zur Realschule plus fusionieren – eine neue Schulform, an der Jugendliche sowohl die Berufsschulreife als auch die mittlere Reife erreichen können. Der Hauptgrund ist der gleiche wie schon so oft zuvor (siehe Extra): Es hatten sich zu wenige Fünftklässler angemeldet. Statt der geforderten 51 waren es nur etwa 35. Dennoch reagieren die Betroffenen erleichtert auf das Schreiben der ADD. Denn ihre schlimmste Befürchtung war, dass das Speicherer Schulzentrum schon 2012 keine Fünftklässler aufnehmen kann. Stattdessen hat die Schulaufsicht jedoch entschieden, dass der Betrieb bis zum 31. Juli 2013 ganz normal weiterläuft. Also bis zu jenem Tag, an dem alle Haupt- und Realschulen des Landes per Gesetz zu Realschulen plus zusammengelegt werden. Voraussetzung dafür ist allerdings nach wie vor, dass sie mindestens 51 Fünftklässler haben. “Die Schule hat jetzt zwei Jahre Zeit, ihr Profil zu schärfen und die Werbetrommel zu rühren”, sagt Eveline Dziendziol, Pressesprecherin der ADD. Eine Aussage, die in Speicher gut ankommt.
“Es ist beruhigend, dass der Standort erstmal gesichert ist”, sagt Elternsprecher Hans-Albert Kalisch. Damit spricht er auch Realschulleiter Jürgen Weber und Hauptschulrektor Otto Böcker aus der Seele. Darauf ausruhen will sich jedoch niemand. Gemeinsam will man mit Eltern und Lehrern nun vehement mit den Vorteilen ihres Schulzentrums werben: mit der intensiven Schülerbetreuung, mit dem Ganztagesangebot oder auch dem Luxus eines Schulschwimmbads.
Und Böcker ist zuversichtlich, dass das auch gelingen wird. Denn er interpretiert die Aussage der ADD zur Schärfung des Profils folgendermaßen: Als Hobbykoch wisse er, dass man nur gute Messer schärfen kann. Er geht also davon aus, dass die ADD davon ausgeht, dass die Speicherer Schule das nötige Potenzial besitzt.
Eines jedenfalls kann er sich nach 42 Jahren an seiner Speicherer Schule gar nicht vorstellen: dass irgendwann die Abrissbagger rollen. Ein Schicksal, das die Eltern abwenden können. Die Eltern jener Kinder, die in den Pausen derzeit noch wild johlend über die Grundschulhöfe der Speicherer Gegend flitzen.
Am 22. November können sich Eltern von Grundschülern ab 19 Uhr in der Aula über das Angebot des Schulzentrums informieren.

Meinung
Die Chance nutzen!


Alle sollten die Chance nutzen, die sich mit dem Brief aus Trier nun bietet. Das Schulzentrum hat zwei Jahre, um sein Angebot weiter zu verbessern und mit den vielen Vorteilen zu werben, die es ja tatsächlich besitzt: kurze Wege, eine persönlichere Betreuung, viel Platz, eine ordentliche Mensa und sogar ein eigenes Schwimmbad … Viele Trierer Ganztagsschüler können von so etwas nur träumen. Und auch die Eltern sollten die Chance nutzen, ihr Kind in Speicher anzumelden. Können sie ihm so doch lange Busfahrten und die Nachteile überfüllter Schulen ersparen. k.hammermann@volksfreund.de

Extra

Der erste Plan für das Speicherer Schulzentrum war, dort eine Integrierte Gesamtschule einzurichten. Er entstand, als das Land die Hauptschulen als Auslaufmodell deklarierte. Bis 2013 soll diese Schulform abgeschafft werden. Realschule plus oder Integrierte Gesamtschule (IGS) sollen künftig die Abstufung zwischen Haupt- und Realschule beseitigen. 91 Anmeldungen sind für eine IGS nötig. Bei einer ersten Befragung bekundeten Eltern von 116 Zweit- und 106 Drittklässlern Interesse. Ein vom Eifelkreis gestellter Antrag wurde jedoch abgelehnt. Das Gebiet der Befragung entspreche nicht dem Einzugsgebiet. Kreis und Kommunen intervenierten. Die Schulaufsicht gab den Beschwerden statt, forderte aber eine neue Befragung. Bei dieser wurden die 91 Anmeldungen knapp nicht erreicht. Das Land eröffnete Speicher die Option einer Realschule plus, bei einer erneuten Befragung wurden die erforderlichen 51 Anmeldungen dafür ebenfalls nicht erreicht.

Trierischer Volksfreund Online 08.11.2011

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Neubau Förderschule Stadt und Kreis?

Neue Irritationen im Schweicher Schulstreit

Soll die Verbandsgemeinde (VG) eine neue Grundschule in Schweich errichten, oder kann die alte Schule am Bodenländchen auf die Räume der benachbarten Meulenwald-Förderschule erweitert werden? Eine überraschende Ankündigung der Kreisverwaltung könnte den erhofften Grundschulneubau infrage stellen.

Schweich. Die Grundschule am Bodenländchen, bisher einzige Ganztagsschule in der VG Schweich, hat bekanntlich die Grenzen ihrer Aufnahmekapazität erreicht. Außerdem ist sie stark sanierungsbedürftig. Da die Schule in eng bebauter Umgebung keine Ausdehnungsmöglichkeiten mehr hat, plant die VG Schweich als Trägerin einen Neubau am Stadtrand. Die Stadt Schweich unterstützt dieses Vorhaben und hat die Grundstückssuche eingeleitet (der TV berichtete). Die einzige Alternative wäre eine Verlagerung der unmittelbar angrenzenden Meulenwald-Förderschule aus Schweich – die frei werdende Raumkapazität könnte dann von der Grundschule genutzt werden. Diese Lösung behagt jedoch weder der Mehrheit im VG-Rat noch Eltern und Lehrern. Ein moderner Grundschulneubau im Grünen wird als pädagogisch optimale Lösung betrachtet. Andererseits wollen Lehrer und Eltern der Meulenwaldschule am gewohnten Standort Schweich festhalten. Nach 40 Jahren sei die Schule mit vielen sozialen Kontakten in die Stadt eingebunden.
Bisher hatte der Kreis als Träger der Meulenwald-Förderschule keine Bewegung in Richtung einer Standortverlagerung gezeigt. Doch nun beunruhigt ein Treffen in der Meulenwaldschule, an dem Kommunalpolitiker, Verwaltungsvertreter und Schulleiter teilnahmen, die Lehrer und Eltern. Besorgt spricht Schulelternsprecher Ralf Krämer gegenüber dem TV von einer möglichen Kehrtwende in der Neubauplanung. Aus der nichtöffentlichen Runde war durchgesickert, dass der Kreis Trier-Saarburg Standortalternativen für seine Schweicher Förderschule prüfen lassen will.
Würde er aber seine Förderschule aus Schweich abziehen, gäbe es aus bautechnischer Sicht genügend Platz zur Erweiterung der benachbarten Grundschule am Bodenländchen. Den Neubaubefürwortern wäre das wichtigste Argument – nämlich der Platzmangel am alten Standort – genommen.
Auf Anfrage bestätigt Landrat Günther Schartz, dass bei dem Gespräch in der Meulenwaldschule auch deren mögliche Verlegung angesprochen worden sei. Das Mainzer Fachbüro Kommunalbau GmbH werde mit einer Kostenkalkulation für einen Standortwechsel und seine Alternativen beauftragt.
Schartz: “Wir prüfen zusammen mit VG und Stadt Schweich alle Optionen zur Lösung des Schweicher Schulproblems. Und dazu zählt auch der angedachte Grundschulneubau.” Ende November sei bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ein Gespräch anberaumt, um die Fördermöglichkeiten für einen Neubau auszuloten.
Keine Option aus Sicht des Kreises seien die von der SPD als Schulstandort ins Spiel gebrachten Flächen neben der Sportanlage am Schulzentrum. “Längerfristig werden wir die Sportanlagen am Schulzentrum wohl erweitern müssen, und dazu sind dort entsprechende Flächen vorzuhalten”, sagt Schartz.

Meinung
Wo Rauch ist, da ist auch Feuer


Nur ein unverbindliches Treffen ohne großen Hintergrund? Immerhin wurde dabei vom Kreis verkündet, die Kosten für eine mögliche Auslagerung seiner Förderschule aus Schweich kalkulieren zu lassen. Wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Allerdings erscheinen die Rauchzeichen des Kreises reichlich spät in der Schweicher Schuldiskussion. Und egal, wie es weiter geht, die Lösung der Schulprobleme rückt dadurch wieder ein Stück weiter in die Ferne – zum Nachteil der jungen Schülergeneration. f.knopp@volksfreund.de

Trierischer Volksfreund 10.11.2011

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Trier bekommt Mandela-Schule

TRIER-SÜD. Die Realschule plus Trier Süd hat einen Antrag auf Namensänderung gestellt: Stimmt der Stadtrat am kommenden Donnerstag zu, dann wird sie ab April 2012 den Namen “Nelson Mandela Realschule plus Trier” tragen.

Weiter zum Artikel bei “16vor” vom 11.11.2011

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Filmbeitrag über die Fläming-Grundschule in Berlin

Wird die Inklusion beim neuen Berliner Senat eingespart? Ist die Arbeit der Fläming-Grundschule gefährdet? Ein sehenswerter Kurz-Filmbeitrag über den Grundschüler Johannes:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1403572/Gemeinsam-Lernen#/beitrag/video/1403572/Gemeinsam-Lernen

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Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention legt Stellungnahme zum Nationalen Aktionsplan vor

Anhörung im Bundestag am 17. Oktober 2011

Die Bundesregierung muss sich noch konsequenter als bisher für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einsetzen und ihren Nationalen Aktionsplan (NAP) diesbezüglich konkretisieren. Dies forderte die Mehrheit der Sachverständigen in der Öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales am Montag, den 17. Oktober 2011.

Dr. Valentin Aichele, Leiter der Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention/Deutsches Institut für Menschenrechte, gab eine  Stellungnahme zum Nationalen Aktionsplan der
Bundesregierung ab.

Stellungnahme der Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention im Wortlaut

Materialien zur öffentlichen Anhörung von Sachverständigen in Berlin am 17. Oktober 2011 – Nationaler Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention – Zusammenstellung der schriftlichen Stellungnahme (PDF, 1,57 MB, nicht barrierferei)

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Anhörung im Bundestag Nationaler Aktionsplan UN-Behindertenrechtskonvention 17.10.2011

“Behindertenrechtskonvention konsequent umsetzen”

Die Bundesregierung muss sich noch konsequenter als bisher für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einsetzen und ihren Nationalen Aktionsplan (NAP) diesbezüglich konkretisieren. Dies forderte die Mehrheit der Sachverständigen in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales unter Vorsitz von Katja Kipping (Die Linke) am Montag, 17. Oktober 2011, in der der Nationale Aktionsplan im Zentrum der Diskussion stand.

Die Sitzung wird am Mittwoch, 19. Oktober, zeitversetzt ab 9 Uhr im Parlamentsfernsehen und im Web-TV auf www.bundestag.de übertragen.

“Die Idee der Inklusion verankern”

Mit dem Plan will die Bundesregierung nach eigenen Angaben einen Prozess anstoßen, um in den kommenden zehn Jahren die Idee der Inklusion, also das selbstbestimmte, gemeinsame Leben von Menschen mit und ohne Behinderungen, im gesellschaftlichen Alltag zu verankern. Er dokumentiert sämtliche Maßnahmen der Bundesregierung zur Entwicklung einer inklusiven Gesellschaft – insgesamt 213 Projekte aus verschiedensten Lebensbereichen.

Für Valentin Aichele vom Deutschen Institut für Menschenrechte ist der Aktionsplan ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der UN-Konvention, der einen Beitrag leiste, um gesellschaftliche Multiplikatoren für dieses Thema zu gewinnen. Die Ausrichtung auf die Inklusion sei richtig, müsse nun aber konsequent, also noch in dieser Legislaturperiode, umgesetzt werden, forderte er.

“Behindertenfrage eine Menschenrechtsfrage”

Wir weisen schon seit Jahren darauf hin, dass die Potenziale behinderter Menschen in den Unternehmen besser genutzt werden müssen“, ergänzte Anna Robra von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Viele größere Unternehmen würden sich dort schon lange engagieren. Jedoch könne man ein solches Engagement nicht als allgemeine Empfehlung aussprechen, da die Bedingungen und Möglichkeiten vor Ort sehr unterschiedlich seien, sagte Robra.

Prof. Dr. Theresia Degener von der Evangelischen Fachhochschule Rheinland Westfalen Lippe in Bochum hob positiv hervor, dass der Aktionsplan die Behindertenfrage klar zu einer Menschenrechtsfrage gemacht habe und Deutschland hier eine Vorreiterrolle spiele.

“Keine Partizipation auf Augenhöhe”

Kritischer äußerte sich Dr. Sigrid Arnade, Mitbegründerin vom Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V.: „Der NAP entspricht nicht unseren Erwartungen.“ Sie kritisierte vor allem, dass es mit den Betroffenen keine Partizipation auf Augenhöhe gegeben habe und der NAP ein „munteres Bündel“ verschiedener Maßnahmen sei, die zum Teil schon abgelaufen seien. Zudem dürfe man Menschenrechte nicht unter einen Haushaltsvorbehalt stellen, also deren Durchsetzung, wie ein selbstbestimmtes Wohnen, nicht von der Kostenfrage abhängig machen.

Diesen Punkt sprach auch Prof. Dr. Felix Welti, Professor für Humanwissenschaften an der Universität Kassel, an: Es gebe ein Menschenrecht auf Privatheit, und deshalb müsse man gerade beim Thema Wohnen den Kostenvorbehalt zurücknehmen.

Keine Aussagen zur finanziellen Absicherung

Auf die finanzielle Situation behinderter Menschen ging auch Petra Hilbert ein, die selbst Opfer der Contergan-Affäre und deshalb an den Rollstuhl gebunden ist. Der NAP enthalte keine Aussagen zur finanziellen Absicherung behinderter Menschen. Wenn man jedoch eine selbstbestimmte Teilhabe durchsetzen will, brauche man ein separates Teilhabegesetz, so Hilbert.

In dieselbe Richtung äußerte sich Claudia Tietz, Referentin beim Sozialverband Deutschland. Ein eigenständiges Leistungsgesetz sei unbedingt nötig, denn es sei schwer nachvollziehbar, dass es einkommens- und vermögensabhängige Leistungen im Fürsorgerecht gibt, sagte Tietz. (che)

Liste der Sachverständigen

Einzelsachverständige:

  • Prof. Dr. Reinhard Burtscher, Berlin
  • Prof. Dr. Theresia Degener, Bochum
  • Prof. Franz Josef Düwell, Weimar
  • Karl Finke, Hannover
  • Jürgen Dürrschmidt, Zwickau
  • Prof. Dr. Felix Welti, Kassel
  • Dr. Thomas Kahlisch, Leipzig
  • Dr. Sigrid Arnade, Berlin
  • Petra Hilbert, Remscheid
  • Claudia Tietz, Berlin

Verbände:

  • Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
  • Deutscher Caritasverband
  • Deutsches Institut für Menschenrechte e. V.
  • Deutscher Behindertenrat c/o Weibernetz e. V.
  • Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e. V.
  • Deutsche Vereinigung für Rehabilitation e. V.


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Gemeinsam lernen wird nur langsam selbstverständlich

Umsetzung der Inklusion in Schulen: Schritt für Schritt weiter

von Christian Busse

Sollen Kinder mit Behinderungen eine normale Regelschule besuchen? Für die Menschenrechtkonvention keine Frage, sondern ein Muss. Inklusion ist das Stichwort. Auch in Deutschland – seit Kanzlerin Merkel vor zwei Jahren die Konvention unterzeichnete.

Inklusion, das bedeutet: Jeder Mensch ist gleichberechtigter Teil der Gesellschaft. Ausgrenzungen dürfen nicht stattfinden. Ein kleiner Teilbereich der Inklusion ist der Schulbesuch. “Früher nannte man es Integration, aber das meinte nicht dasselbe”, sagt Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. “Integration heißt, dass Distanz geschaffen wird und vereinzelte Menschen wieder in die Gesellschaft hineingelassen werden. Inklusion bedeutet viel mehr und ist eigentlich auch nicht auf Menschen mit Behinderungen beschränkt.”

Eine offene Gesellschaft, tolerant, verständnisvoll und frei von Vorurteilen und Diskriminierung: Das kann mit Einbindung aller Menschen von Kleinkindesbeinen an gelingen. Aber in einem Land wie Deutschland mit einem Schulsystem, das für jede Besonderheit und Behinderung eine passende Förderschule vorhält? “Zurzeit beobachten wir in 16 Bundesländern 16 unterschiedliche Herangehensweisen, wie stark junge Menschen – und hier passt der Begriff noch – integriert werden”, sagt Marianne Demmer.

Mangelnde Integration an Schulen (Frontal 21, 4.10.2011)

Nord-Süd-Gefälle in der Umsetzung

Am weitesten sei (zumindest auf dem Papier) Bremen fortgeschritten, wo man versuche, alle Kinder mit Behinderungen auch an einer Regelschule zu unterrichten. “Andere Länder wie Bayern oder Sachsen proklamieren zwar, inklusiv zu agieren, aber letztendlich werden dort nur Kooperationsklassen an Regelschulen geführt”, kritisiert die stellvertretende Vorsitzende der GEW. Hier zeige sich erneut ein Problem des förderalen Systems: Die Kultusministerkonferenz versuche, es allen recht zu machen und schaffe dadurch keine eindeutige Grundlage.

“Bislang hat sich niemand getraut zu sagen: Wir machen einen Schnitt und überführen sonderpädagogische Einrichtungen ins Schulsystem”, so Demmer. Und zurück blieben viele Fragezeichen bei Eltern und verunsicherte Lehrer. “Viele Sonderpädagogen leiden darunter, dass sie sich im Niemandsland befinden zwischen Förderschule und Regelschule. Und viele Lehrer an Regelschulen ebenso. Ein paar Stunden pro Woche pro Klasse helfen da auch nicht weiter, sondern schaffen oft Ratlosigkeit und Frust. Pädagogik aber braucht Kontinuität.”

Infobox

Hintergrund

Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention im März 2009 hat Deutschland sich dazu verpflichtet, weit reichende Änderungen in der Gesellschaft voranzutreiben. In allen Bereichen des Lebens muss in Zukunft sichergestellt werden, dass niemand ausgegrenzt werden darf. Das Monitoring für diesen Prozess wurde dem Deutschen Institut für Menschenrechte(Externer Link – Öffnet in neuem Fenster) übertragen.

Das Institut nahm am Montag im Deutschen Bundestag Stellung zum Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung(Externer Link – Öffnet in neuem Fenster) . Tenor: grundsätzlich positiv. “Die Bundesregierung hat mit dem Nationalen Aktionsplan einen wichtigen Impuls für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention gesetzt. Mit dem Nationalen Aktionsplan hat sie eine mittelfristige Perspektive für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention bis 2021 vorgegeben und dafür einen Rahmen geschaffen, der nunmehr für die Weiterentwicklung des Nationalen Aktionsplans genutzt werden kann.”

Allerdings fand die Monitoring-Stelle auch Schwächen in der bisherigen Umsetzung. So heißt es zum Beispiel: “Die Anwendung des Menschenrechtsansatzes bedeutet, den Blick auf die Schwächsten der Gesellschaft und die größten Probleme zu werfen und der Bewältigung dieser Probleme Priorität einzuräumen. Entsprechende Prioritätenentscheidungen setzen ein allgemeines Verständnis voraus, das auch von der Zivilgesellschaft mitgetragen wird. Weder die Prioritätensetzung noch eine Verständigung darüber mit der Zivilgesellschaft ist im Rahmen der bestehenden Strukturen und partizipativen Prozesse hinreichend gelungen.”

Teilhabe für alle schaffen

“Inklusion ist ein dauerhafter Zustand und wird es auch bleiben”, sagt Stephan Prändl, Bundesvorsitzender beim Verband Sonderpädagogik, dem rund 10.000 Sonderpädagogen angeschlossen sind. Erklärtes Ziel des Verbandes: “Wir wollen Teilhabe für alle schaffen, und das erfordert eine hohe Qualität in der Förderung jedes Kindes. Dazu gehören nicht nur die Sonderpädagogen, das schafft nur ein funktionierendes Netzwerk unter anderem aus Trägern, Lehrern, Integrationshelfern und Eltern.” Aber, so Prändl: Inklusion könne kein Sparmodell sein.

Genau das befürchten manche Sonderpädagogen derzeit jedoch. “Auf der einen Seite wird Inklusion an Regelschulen mehr oder weniger vorangetrieben, auf der anderen Seite sinken die Zahlen der Kinder, die eingeschult werden, beständig. Und damit auch die Zahlen der Kinder mit Förderbedarf. Da liegt doch der Gedanke nahe, bei dieser Gelegenheit Stellen zu streichen und somit Kosten zu sparen. Aber eben das darf nicht geschehen, wenn Inklusion an Schulen gelingen soll”, so Marianne Demmer von der GEW.

Ausbruch aus dem alten Lehrschema

Erfreulich, so Demmer sei, dass das Thema Inklusion nicht mehr offen abgelehnt werde. Das sei ein wichtiger Schritt, bevor nun weitere Etappen anstünden: “Es braucht noch eine Menge Fort- und Ausbildung. Und viel Kommunikation. Aber diejenigen Lehrer, die Inklusion bereits leben, erfahren eine ganz neue Unterrichtskultur. Vielen wird schlagartig bewusst, dass sie ein traditionelles Lehrschema nicht mehr aufrechterhalten können. Der komplette Unterricht ändert sich in einem Sinne, dass alle Kinder davon profitieren.”

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/12/0,3672,8358732,00.html

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Leseecke in IGS genehmigt


Malu Dreyer begrüßt Landeszuwendung an IGS für eine Leseecke.

Die Trierer Landtagsabgeordnete Malu Dreyer begrüßt die Zuweisung an die Integrierte Gesamtschule am Wolfsberg von insgesamt 10.000 Euro zur Einrichtung einer Leseecke. 3.800 Euro wurden für die Beschaffung von geeigneten Möbeln sowie 1.200 Euro für die EDV-Ausstattung und 5.000 Euro für das Büro veranschlagt. „Ich freue mich, dass die Integrierte Gesamtschule mit den jetzt bewilligten Mitteln ihre gute pädagogische Arbeit für das Zusammenlernen und Leben der Schüler und Schülerinnen verbessern und ausbauen kann“, meint Malu Dreyer. „Die Leseförderung ist im Land ein besonderer Schwerpunkt, da die ganzheitliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in entscheidendem Maß von der Lesekompetenz abhängt“, ist sich die Trierer Landtagsabgeordnete sicher.

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Grußwort von Malu Dreyer zur Vereinsgründung

Eine Schule für alle wird Verein


Malu Dreyer wünscht viel Erfolg.

Die Trierer Landtagsabgeordnete Malu Dreyer begrüßt die Vereinsgründung der Initiative ‘Eine Schule für alle’. „Mit diesem Schritt kann das Anliegen der Gruppe, Inklusion, das heißt Zusammenlernen beeinträchtigter und nichtbeeinträchtigter Kinder, in allen Schulformen zu verbessern, besser und nachhaltiger umgesetzt werden. Ich wünsche der neuen Vorsitzenden Hildegard Muriel weiterhin viel Tatkraft für dieses wichtige Anliegen. Meine Unterstützung hat ‘Eine Schule für alle’, ob als Initiative oder Verein“, schließt die SPD-Frau.

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Treverer-Schule: Stadt weist Kritik zurück

Die Stadt Trier sieht kein eigenes Verschulden bei der schleppenden Planung für den Neubau der Treverer-Schule für Schwerbehinderte. OB Jensen führt die Probleme auf die Schule selbst sowie auf noch bestehende Unklarheiten bei den Bedarfszahlen zurück.

Trier. Es gebe keinen Dissens im Stadtvorstand über den neuen Standort der Treverer-Schule in Ehrang, widerspricht Oberbürgermeister Klaus Jensen einem TV-Artikel vom 29. September. Dort war moniert worden, dass die 100 Schüler aus der ganzen Region am jetzigen Standort Trier-Heiligkreuz seit Jahren unter miserablen Bedingungen betreut werden müssen.
Die Verzögerung sei vor allem darauf zurückzuführen, dass der von der Stadt zunächst vorgeschlagene Standort Mäusheckerweg nicht die Zustimmung der Schule gefunden habe. Die Suche nach einer Alternative habe Zeit gekostet, doch bestehe mit dem jetzigen Gelände in Ehrang Einvernehmen bei Stadt, Kreis, Schule und Elternschaft.
Alle Beteiligten sind laut Jensen seinerzeit darauf aufmerksam gemacht worden, dass der neue Standort erst entwickelt und dabei viele Fragen geklärt werden müssten. “Das dauert zwangsläufig mindestens zwei Jahre”, so Jensen in seiner Stellungnahme. Warum die von Bürgermeisterin Birk für den Beginn des Jahres 2011 angekündigte Grundsatzentscheidung über den Standort bisher nicht im Rat aufgetaucht ist, erklärt der OB freilich ebensowenig wie den Umstand, dass die beteiligten Landkreise – anders als die Stadt – offenbar keine Unklarheiten bei Bedarfszahlen und Kostenverteilung sehen. Der Bedarf für die Stadt wird laut Jensen “in diesen Wochen ermittelt”.
Was die 250 000 Euro für Brandschutzinvestitionen im alten Treverer-Gebäude angeht, verweist der OB noch einmal darauf, dass es sich um Auflagen der Feuerwehr gehandelt habe. DiL
Trierischer Volksfreund Online 30.09.2011

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