Eltern behinderter Kinder haben künftig Wahlrecht für Schule

(Mainz) Rheinland-Pfalz will das gemeinsame Lernen behinderter und nicht behinderter Kinder fördern. Der Landtag beschloss eine Wahlmöglichkeit für Förder- oder Regelschule. Streit gibt`s um das Geld für den Ausbau der Inklusion.
Die Eltern behinderter Kinder in Rheinland-Pfalz können künftig wählen, ob ihr Kind auf eine Förderschule oder eine besondere Regelschule geht. Der Landtag beschloss am Mittwoch in Mainz mit den Stimmen von Rot-Grün eine Novelle des Schulgesetzes. Bei der Inklusion – dem gemeinsamen Lernen behinderter und nicht behinderter Kinder – setzt Rheinland-Pfalz auf Schwerpunktschulen.Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) warb dafür, «mehr Inklusion zu wagen». Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler sprach von einem «Meilenstein für mehr Gerechtigkeit» mit der Schulwahl. Die CDU stimmte gegen das Gesetz. Fraktionschefin Julia Klöcknerwarnte vor neuen Millionenausgaben. «Wenn Sie Inklusion wollen, dann stehen Sie auch zu den Kosten.» Der Sozialverband VdK wertete das Wahlrecht der Eltern positiv, forderte aber genug Fachpersonal.

Von fast 20 000 Kindern mit anerkanntem Förderbedarf im Land lernen laut Bildungsministerium 27 Prozent mit nicht behinderten Schülern. Der Anteil könnte bis 2016 auf 40 Prozent steigen. Zu rund 260 Schwerpunktschulen, die derzeit in Grundschulen und weiterführenden Schulen gemeinsamen Unterricht anbieten, sollen 40 bis 2016 hinzukommen. Bis dahin sind 200 Vollzeitstellen von Förderschullehrern zusätzlich geplant.

Zwischen Land und Kommunen schwelt ein Streit um die Kosten des gemeinsamen Unterrichts. Als Ausgleich bot das Land den Kommunen zehn Millionen Euro im Jahr an. Kreise, Städte und Gemeinden sowie die Lehrergewerkschaft VBE fordern, dass das Land das komplette Geld für Integrationshelfer übernimmt, während die Regierung diese Aufgabe bei den Kommunen sieht. Diese beziffern die Kosten für Integrationshelfer auf mindestens 22 Millionen Euro im Jahr.

Share

Mainzer Aufruf – Für eine humanere und bildungsgerechtere Schule

1. Das rheinland-pfälzische gegliederte Schulsystem mit im internationalen Vergleich
viel zu kurzer gemeinsamer Lernzeit entspricht in seinen Grundzügen nach
wie vor weder den ethischen noch den demokratischen Prinzipien, wie sie in der
Erklärung der Menschenrechte, den UN-Konventionen (Kinderrechts-, UN-Behindertenrechtskonvention)
und im Grundrechtskatalog des Grundgesetzes festgeschrieben
sind. Ebenso entspricht es nicht dem christlichen Menschenbild, das
für die Würde aller eintritt und die Wahrung ihrer Rechte fordert.
2. Die schwachen Ansätze der Bildungspolitik, Selektion zu reduzieren – Einführung
Realschule plus, Ausbau von IGS, Einführung von Schwerpunktschulen –
sind nicht hinreichend. Vielmehr wird das Bildungssystem dieses Landes nach wie
vor von institutionell festgelegten selektiven Maßnahmen bestimmt. Neben der tagtäglichen
Selektion durch ein in seiner Gültigkeit und Zuverlässigkeit seit Jahrzehnten
widerlegtes Bewertungssystem sind dies vor allem:
- direkte Einschulung an Förderschulen
- vollständige Beibehaltung der Förderschulformen (insgesamt 9)
- viel zu frühe Auslese auf der Basis sozial diskriminierender Empfehlungen
- Zuweisungsdiagnostik statt inklusiver/didaktischer Diagnostik
- zwangsweise Wiederholungen
- zwangsweise Verweisungen auf ungleichwertige Schularten (Abschulungen)
- Einschränkung der freien Schulwahl bei Integrierten Gesamtschulen
- Schulzeit beenden ohne Schulabschluss
-
Jährlich werden dadurch Tausende Kinder und Jugendliche diesen entwürdigenden
Prozessen unterworfen.
3. Hiervon sind insbesondere Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen
und sozial benachteiligten Milieus betroffen. Ihre Chancen, bei gleicher Leistung
eine Gymnasialempfehlung zu erhalten, sind um ein Fünffaches geringer als bei
Kindern, die aus finanziell besser gestellten Schichten stammen. In vergleichbarer
Weise sind auch Kinder betroffen, die wegen ihres körperlichen und/oder seelischen
Andersseins einschränkt sind. Ihnen wird der gleiche Zugang zur Verwirklichung
ihrer Bildungschancen sowie zu einer umfassenden und selbstbestimmten
Teilhabe erschwert, in vielen Fällen verweigert.
Das Bildungssystem folgt damit einer Leistungs- und Verwertbarkeitsideologie, die
vor allem die in diesem Sinne Leistungsstärkeren in den Blick nimmt, statt ALLE
nach ihren Möglichkeiten zu fördern und zu fordern.

4. Diese systembedingten Effekte bestimmen auf vielfältige Weise das Lehrerhandeln
und das Denken von allen an Schule beteiligten Gruppen. Dieses Dilemma
wird durch eine konfliktscheue, vielfach den eigenen bildungsprogrammatischen
Zielen zuwider handelnde, teilweise rückwärtsgewandte Bildungspolitik perpetuiert.
Die vielfach und seit langem vorliegenden, empirisch gesicherten Ergebnisse der
Bildungswissenschaften, die die Ungerechtigkeit, Chancenungleichheit und soziale
Schieflage des Bildungssystems belegen, werden von den meisten verantwortlichen
Bildungspolitikerinnen und -politikern nicht oder nicht gebührend zur
Kenntnis genommen, vielmehr dem Ritual politischer Erfolgsrhetorik geopfert, von
konservativer Seite meist sogar in Abrede gestellt. Die Folge dieser Erkenntnisverweigerung
ist das nicht nachvollziehbare Festhalten am gegliederten und daher
selektierenden Schulsystem. Damit nimmt man billigend in Kauf, dass jährlich
Tausende Kinder und Jugendliche an Schule scheitern.
FAZIT
Dass tagtäglich junge Menschen im rheinlandpfälzischen
Bildungssystem diesen Effekten ausgesetzt
sind, dass sie etikettiert, auch entwürdigt
und damit der Exklusion preisgegeben werden,
verstößt eklatant gegen jede Ethik, die sich der
Gleichheit aller vor dem Gesetz, der Partizipation,
Integration und Inklusion mit dem Ziel einer umfassenden
selbstbestimmten Teilhabe aller verpflichtet
weiß.

Mainzer Aufruf
Für eine humanere und
bildungsgerechtere Schule

Wir rufen alle auf,
• die im Bildungs- und Erziehungsbereich tätig sind und
• die in der Bildungs- und Gesellschaftspolitik Verantwortung
tragen (in der Politik ebenso wie in den Medien):
Setzen Sie sich mit uns ein für
• die Schaffung von Rechtsgrundlagen des Bildungssystems,
die sich uneingeschränkt an der Erklärung der Menschenrechte,
den UN-Konventionen und dem Grundrechtekatalog
des Grundgesetzes ausrichten,
• für eine Schule ohne Selektion, in der alle Kinder und Jugendlichen
willkommen sind,
• für die Verwirklichung eines individualisierenden Unterrichts,
der alle fördert und fordert,
• für das Ziel, dass möglichst kein Schüler, keine Schülerin die
Schule ohne einen Schulabschluss verlässt und
• für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten
Kindern und Jugendlichen in allen Schulen des
Landes.
Erste Schritte hierzu sind:
• Die Ablösung von Schulnoten durch Kompetenzbeschreibungen,
• die Abschaffung der Grundschulempfehlung,
• der Wegfall des zwangsweisen Sitzenbleibens und des
zwangsweisen Verweisens auf nicht gleichwertige Schularten
(Abschulung),
• die jahrgangsweise Aufhebung der Förderschulen mit den
Schwerpunkten Lernen und Sprache.
Setzen Sie sich mit uns dafür ein,
• dass Schulen personell, räumlich und sächlich so ausgestattet
werden, damit sie den Bildungsauftrag einer inklusiven
Schule erfüllen können,
• dass die Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung an den Vorgaben
einer inklusiven Schule ausgerichtet wird.
Setzen Sie sich mit uns dafür ein,
dass mehr Maßnahmen ergriffen werden, um ein öffentliches
Bewusstsein zu schaffen
• für die Vorzüge sowie die gesellschaftlichen und pädagogischen
Chancen menschlicher Vielfalt und des längeren gemeinsamen
Lernens und
• für die Notwendigkeit eines humaneren Bildungs- und Erziehungssystems,
• für die unverzichtbare Garantie von Bildungsgerechtigkeit
und
• für die gebotene Übereinstimmung unseres Bildungs- und
Erziehungssystems mit den ethischen Grundlagen unserer
Gesellschaftsordnung.

Rheinland-pfälzische Initiative
EINE Schule für ALLE – länger gemeinsam lernen e.V.
Internet:       http://eine-schule-fuer-alle-rlp.de

Share

Handlungskonzept Inklusion – Antrag Oberbürgermeister Jensen

Datum: 28.01.2014
Antrag: Der Steuerungsausschuss möge beschließen:

Die Verwaltung wird beauftragt, auf der Grundlage des hier vorgelegten Verfahrensvorschlages ein Handlungskonzept „Inklusion“ für die Stadt Trier in enger Zusammenarbeit mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen zu erstellen. Hierbei sind die relevanten zivilgesellschaftlichen Kräfte einzubinden.
Für die Dauer von 2 Jahren wird mit einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von 50 % der Regelarbeitszeit eine Projektkoordinatorin/ein Projektkoordinator eingestellt.

Begründung:
Die Vereinten Nationen haben in 2006 die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verabschiedet. Seit dem 26. März 2009 ist die Konvention für die Bundesrepublik Deutschland völkerrechtlich verbindlich.
In Umsetzung dieser Konvention hat die rheinland-pfälzische Landesregierung am 16. März 2010 einen Aktionsplan beschlossen, der die Ziele und allgemeinen Grundsätze der UNKonvention in konkrete Maßnahmen zur Inklusion übersetzt.
Mit Beschluss vom 19. November 2013 hat der Stadtrat einstimmig die Verwaltung beauftragt, ein entsprechendes Handlungskonzept für die Stadt Trier zu initiieren. Die in Artikel 3 der UN-Behindertenrechts-Konvention genannten allgemeinen Grundsätze sollen dabei als Leitlinie allen Handelns dienen:
 die Achtung der Würde, Autonomie, Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen
 die Nichtdiskriminierung
 die volle Teilhabe und Einbeziehung in die Gesellschaft
 die Achtung der Unterschiedlichkeit und Akzeptanz der Vielfalt
 die Chancengleichheit
 die Barrierefreiheit
 die Gleichberechtigung von Mann und Frau
 und die Achtung der Fähigkeiten von Kindern mit Behinderungen und ihres Rechts auf Wahrung ihrer Identität

Der städtische Aktionsplan soll diese Leitlinien konkret auf die kommunale Ebene herunterbrechen und Handlungsempfehlungen für die Verwaltung und Rat sowie Dritte (freie Träger, Wirtschaft, Wohnungsgesellschaften etc.), orientiert an den verschiedenen Lebensbereichen, formulieren. Analog dem Aktionsplan des Landes sind dies folgende Bereiche:
 Erziehung und Bildung
 Arbeit
 Wohnen
 Kultur, Sport und Freizeit
 Gesundheit und Pflege
 Schutz der Persönlichkeitsrechte
 Partizipation und Interessenvertretung
 Mobilität und Barrierefreiheit
 Barrierefreie Kommunikation und Information
 und Sonstiges

Die Auflistung macht deutlich, dass die Inklusion eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Alle Akteure müssen sich aktiv darum bemühen, Institutionen und Prozesse der Stadtgestaltung so umzuformen, dass sie „inklusiv“ sind. Sie müssen bereit sein umzudenken und vieles Selbstverständliche in Frage zu stellen. Im Prozess der Konzeptaufstellung stellt dies große Herausforderungen an alle Beteiligten.

Der Begriff „Inklusion“ ist nicht klar und eindeutig definiert. Er ist im Prozess der Konzepterstellung immer wieder neu zu interpretieren. Auf jeden Fall bedeutet er, Barrieren praktischer und neutraler Art zu beseitigen und das Lebensumfeld zugänglich und erlebbar zu machen, Normalität zu schaffen. Erst wenn dies nicht mehr diskutiert wird, wenn das Problem nicht mehr verstanden wird, war der Prozess erfolgreich.

Trier beginnt aber nicht bei Punkt Null. Es gibt bereits zahlreiche Ansatzpunkte für inklusive Entwicklungen, auf denen aufgebaut werden kann. Mit dem Beirat der Menschen mit Behinderungen haben wir kompetente Expertinnen und Experten in eigener Sache, welche die Verwaltung mit Rat und Tat kritisch und konstruktiv begleiten können.

Organisationsstruktur

1. Federführung – Prozessteuerung
Da es sich, wie dargestellt, bei dem Inklusionskonzept um eine Querschnittsaufgabe handelt, die alle Dezernate betrifft, obliegt die Gesamtsteuerung dem Oberbürgermeister und seinem Büro.
2. Arbeitsgruppe der Verwaltung
Vertreter/Vertreterinnen aller vier Dezernate bilden unter der Leitung des
Oberbürgermeisters eine verwaltungsinterne Steuerungsgruppe, die um ein ständiges Mitglied vom Beirat der Menschen mit Behinderung ergänzt wird.
Sitzungsfrequenz: alle zwei Monate
3. Lenkungsausschuss (LA)
Um eine notwendige, kontinuierliche Beteiligung des Rates an dem Prozess ebenso zu sichern wie die Einbeziehung Dritter, wird ein Lenkungsausschuss eingerichtet. Er setzt sich wie folgt zusammen:
- Oberbürgermeister oder seine Vertretung
- ein weiteres Mitglieder der unter 2. genannten Arbeitsgruppe
- Mitglied des Beirates für Menschen mit Behinderung
- je ein Mitglied der im Stadtrat vertretenen Fraktionen
- je nach Themenschwerpunkt vom LA einzuladende Dritte
Der LA soll Themenschwerpunkte festlegen und den Prozessablauf bewerten und ggf. zu korrigieren.
Sitzungsfrequenz: 3 x jährlich
4. Arbeitskreise
Der LA beschließt die Einberufung von Arbeitskreisen zu den im Handlungskonzept genannten Lebensbereichen (z.B. Wohnen, Arbeit, Bildung …) und bestimmt deren Teilnehmer/-innen. Diese Arbeitsgruppen sollen nach Möglichkeit von externen Personen, also nicht aus der Verwaltung, geleitet werden. In den Arbeitsgruppen soll eine IST-Analyse vorgenommen, die Handlungsbedarfe definiert und ein themenbezogener Maßnahmenkatalog aufgestellt werden. Um die Zahl der Arbeitsgruppen zu begrenzen, sollte der Lenkungsausschuss ggf. einzelne Lebensbereiche zusammenfassen.
Sitzungsfrequenz: nach Bedarf
5. Koordinatorin/Koordinator
Wegen der vorliegenden Themenvielfalt und dem damit verbundenen Organisationsaufwand ist eine hauptamtliche Kraft im Büro des Oberbürgermeisters einzustellen, welche die Organisation des Prozesses übernimmt und für eine unerlässlich dichte Kommunikation sorgt. Eine Teilzeitstelle im Umfang von 50 % der Regelarbeitszeit wird hierfür als ausreichend angesehen.

Eine Rückkopplung und Berichterstattung an die Ausschüsse und den Stadtrat erfolgt in regelmäßigen Abständen.
Zeitrahmen: Die Erstellung des Handlungskonzeptes soll die Dauer von 2 Jahren nicht überschreiten. Nach Möglichkeit sollen dem Stadtrat erste Maßnahmen noch während des Prozesses vorgeschlagen werden.
Finanzielle Auswirkungen:

Die Bezahlung der Koordinatorin/des Koordinators erfolgt entsprechend den Regelungen des TVöD. Ein abgeschlossenes Hochschulstudium ist Voraussetzung für die Besetzung der Stelle.
Personalkosten: ca. 28.000 €
Sachkosten: 5.500 €
Die Mittel für das Jahr 2014 werden im Rahmen der Budgetarbeit des Dezernates erwirtschaftet und für die Jahre 2015/2016 im Rahmen des Dezernatsbudgets I entsprechend eingeplant.

Berichterstatter: Oberbürgermeister Jensen

Handlungskonzept Inklusion Antrag OB Jensen 280114

Share

Schulen in Thalfang, Waldrach, Zerf und Kell könnten erhalten bleiben

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) hofft trotz des Rückgangs der Schülerzahlen auf eine Zukunft auch für kleine Schulen auf dem Land. Es gehe darum, Kindergärten, Grundschulen und auch Realschulen plus in der Region zu halten,

Es gehe darum, Kindergärten, Grundschulen und auch Realschulen plus in der Region zu halten, sagte Ahnen am Mittwoch im Landtag in Mainz. Sie wies aber zugleich auf laufende Prüfungen hin, ob Realschulen plus auch mit weniger als drei Parallelklassen pro Stufe eine Zukunft haben können.

Drei Schulen in Kell am See/Zerf, Waldrach (beide im Kreis Trier-Saarburg) und Thalfang (Kreis Bernkastel-Wittlich) könnten erhalten bleiben. Die CDU-Opposition warf der rot-grünen Landesregierung vor, sie sorge für Verunsicherung an den Schulen.

Ahnen hofft auf Erhalt kleiner Schulen – Schließungen geprüft.

Link zum Artikel im Trierischen Volksfreund 23.01.2014:

http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/rheinlandpfalz/rheinland/Rheinland-Pfalz-und-Nachbarn-Schulen-in-Thalfang-Waldrach-Zerf-und-Kell-koennten-erhalten-bleiben;art158726,3766148

Share

Tobias Wolf: English Teacher Assistant – Inklusion als Lehrkraft

“Kann man lehren, obwohl man geistig beeinträchtigt ist? Tobias Wolf kann es. Der junge Mann mit Down-Syndrom bringt Grundschulkindern Englisch bei. Er singt mit den Kindern, entwickelt Spiele, die es einfacher machen, Vokabeln zu lernen – und in besonderen Fällen gibt er Einzelunterricht. Die Montessori-Schule Biberkor in Bayern lässt das Konzept Inklusion Realität werden und beschäftigt den 32-Jährigen als English Teacher Assistant.”

Zum Filmbeitrag: https://www.youtube.com/watch?v=feuP5TLuFi4#t=112

Share

Wo sich Inklusion bewährt hat –

 

In Italien gibt es Inklusion schon seit über 30 Jahren

 

 


 

Für uns Deutsche ist es neu – für Italiener seit 30 Jahren ganz normal: gemeinsamer Schulunterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. In Italien ist das während der ersten acht Schuljahre üblich. Wer Förderbedarf hat, bekommt Hilfe von Unterstützungslehrern, bleibt aber im Klassenverband. Seit 1977 gibt es keine Förder- beziehungsweise Sonderschulen mehr. Damals wurden per Gesetz behinderte und nicht behinderte Schüler gleichgestellt. Heute besuchen 90 Prozent der Kinder mit Behinderung die Regelschule.

 

Quarks & Co besucht eine Schulklasse in Südtirol und fragt Schüler, Lehrer und Eltern, ob sich die Idee der Inklusion in 30 Jahren Schulalltag bewährt hat.

 

Filmautor: Carsten Linder

http://www.wdr.de/tv/quarks/global/Preview-Videos/inklusion_001.jsp

Share

Sitzenbleiben – Wenn Kinder in der Schule scheitern (Film)

ZDF zeigt sehenswerte „37 Grad“-Reportage über Sitzenbleiber

 

Den Staat kosten die Sitzenbleiber Geld, der pädagogische Wert ist auch nicht geklärt. Die ZDF-Reportage „37 Grad“ befasst sich in ihrem Film „Sitzenbleiber – Wenn Kinder in der Schule scheitern“ von Autorin Tina Radke-Gerlach mit dem Thema:

http://www.youtube.com/watch?v=NX4Y7YFjjdM

Filmemacherin Radke-Gerlach macht aus ihrem Fazit keinen Hehl: Für viele Schüler ist die Ehrenrunde mehr Albtraum als Chance. Auch, weil ein Schuljahr wiederholen zu müssen Schüler beschämt und ausgrenzt. Manchmal mehr als Eltern ahnen. Auch generell ist die Doku eine kritische, sehenswerte Abrechnung mit dem deutschen Schulsystem.

(HAZ 06.02.2011)

Share

Praxishandbuch Download “Kommunaler Index für Inklusion” der Montag Stiftung

Anlass und Ziel des Projektes

Neben der Arbeit mit dem Index für Inklusion in Bildungseinrichtungen unterstützt die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft seit 2009 mit dem Kommunalen Index für Inklusion auch Mitarbeiter/innen in kommunalen Verwaltungen sowie freien und gemeinnützigen Organisationen, Verbänden, Vereinen, Verwaltungen und Kirchen darin, inklusives Handeln in ihren Aufgabenfeldern umzusetzen und somit Inklusion im Lebens- und Arbeitsumfelder bewusst zu leben.

Das Ziel des Projektes Kommunaler Index für Inklusion – Vielfalt erkennen, wertschätzen und nutzen lag darin, Inklusion als Leitbild für werteorientiertes Denken und Handeln in Einrichtungen und Organisationen auf kommunaler und regionaler Ebene zu stärken und Veränderungsprozesse zu initiieren.

Aktivitäten innerhalb des Projektes

Die Inklusion aller Einwohner/innen im kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Geflecht des Gemeinwesens findet in erster Linie vor Ort, also in den Kommunen statt. Die Partizipation und Kooperation von Einrichtungen, Organisationen und Akteur/innen bei der Gestaltung des Zusammenlebens im Sozialraum ist ein zentrales Element unserer demokratischen Gesellschaft.

Ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit der Stiftung mit den Einrichtungen in den Pilotkommunen lag in dem Projekt in der Prozessberatung durch Moderator/innen, welche die Akteur/innen in den Organisationen vor Ort bei der Entwicklung inklusiver Vorhaben sowie bei der konkreten Arbeit mit dem Arbeitsbuch Kommunaler Index für Inklusion begleiteten. Ein besonderes Augenmerk lag hierbei in der Ausweitung und Förderung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen.

Auf der Grundlage der Erfahrungen aus der Arbeit mit den Pilotkommunen veröffentlichte die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft das Handbuch Inklusion vor Ort. Der Kommunale Index für Inklusion – ein Praxishandbuch. Das Handbuch soll neben den Pilotkommunen nun auch anderen Kommunen als wertschätzendes, Mut machendes Selbstentwicklungs- und Selbstevaluationsinstrument dienen, um sich mit drängenden Themen insbesondere im Hinblick auf die Chancengerechtigkeit aller zu beschäftigen undInklusion vor Ort zu leben.

Die Erfahrungen in den Pilotkommunen zeigen, dass die Arbeit mit dem Index reichhaltige neue Anstöße gibt, Veränderungsprozesse unter dem Leitgedanken Inklusion zu initiieren und weiter zu entwickeln. Gerade auch durch die Vernetzung von Erziehungs- und Bildungseinrichtungen mit anderen Einrichtungen (z.B. Sportvereinen, Elterninitiativen) und öffentlichen Stellen, wie beispielsweise Jugendamt oder Schulamt vor Ort, gewinnen diese Prozesse an Dynamik.

 

Share

Unsere Gemeinde wird Inklusiv!

UnsereGemeindeWirdInklusivEin Leitfaden der Landesregierung Rheinland-Pfalz für die Erstellung kommunaler Aktionspläne zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention:

Download des Leitfadens (pdf) der Landesregierung Rheinland-Pfalz

Weiterlesen

Share

Pressemeldung Podiumsdiskussion „Inklusion wird konkret“ am 13.11.13 im Bürgerhaus Trier-Nord

Die vom Verein „EINE Schule für ALLE in der Region Trier“ zusammen mit dem Club Aktiv, „Gemeinsam leben – gemeinsam Lernen“ und der GEW Trier organisierte Veranstaltung war gut besucht und mit einer lebhaften Diskussion auch aus dem Publikum verbunden.

 

Es ging dabei nicht um die Erläuterung eines bereits bestehenden Aktionsplanes. Vielmehr war der Veranstaltungstitel als Aufforderung an die Stadt Trier gemeint, endlich zu handeln.

 

Überraschend wurde gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich, dass nun ein Antrag auf ein Handlungskonzept Inklusion im Stadtrat vorliegt. Am 19.11. soll dieser nun im Stadtrat behandelt werden.

 

In der Diskussion im Podium gab es zunächst wenig Konkretes. Man sei nicht weit voneinander entfernt, Inklusion sei für alle Fraktionen wichtig. Es gehe um Bewusstseinsänderung bei den Bürgern, man müsse aber „Inklusion“ erst definieren. Allerdings brauche es auch personelle und finanzielle Ressourcen, der politische Wille zur Inklusion sei nötig. Das Wahlrecht der Eltern müsse gewährleistet bleiben. Inklusion sei in allen Schularten, auch im Gymnasium umsetzbar. So wurde auch das gegliederte Schulwesen von den meisten Podiumsteilnehmer/innen nicht in Frage gestellt. Beide Schulsysteme nebeneinander seien jedoch nur schwer denkbar. Eine Bedarfsanalyse – abgekoppelt vom Geld – sei zu erstellen.

 

Etwas konkreter wurde es, als Dieter Lintz den Forderungskatalog des Vereins aufgriff und fragte, ob denn die dort eingeforderten Strukturen nötig seien: Ein Lenkungsausschuss aus Verwaltung und Stadtrat, ein Inklusionsbeirat aus der Trierer Zivilgesellschaft, Bürgerversammlungen zu näher bezeichneten Vorhaben. Hier hörte nun die Gemeinsamkeit im Podium auf. Man wolle keine neuen Gremien schaffen, es handele sich um eine allgemeine Aufgabe des Rates, man müsse überlegen wie man die Menschen erreichen könne. Andere Mitglieder des Podiums meinten, dass der Prozess der Umsetzung des Zieles Inklusion einer organisatorischen Steuerung bedürfe, dass die Diskussion um Inklusion nicht den Organisationen der Beeinträchtigten als Betroffenen von Ausgrenzung zugeschoben werden müsse sondern von den „Verursachern“ zu führen sei.

 

Der Vorschlag von Bürgermeisterin Birk, den Behindertenbeirat mit dieser Aufgabe zu betrauen, stieß also auf Widerspruch. Dieser kam auch von Behindertenvertretern. Frau Professor Brohm von der Uni Trier wies darauf hin, dass die Forschung inzwischen bestätige, dass Organisationsstrukturen wichtig seien, um Meinungsbildung bei den Menschen zu verursachen. Aus dem Verein wurde deutlich gemacht, dass die Organisationsgremien wichtig seien: Man müsse ein Steuerungsgremium für die Umsetzung der definierten Ziele haben; sehr wichtig sei die Korrektur der Pläne des Stadtrates durch die Zivilgesellschaft der Stadt zum einen für die Akzeptanz bei den Bürgern, zum anderen aber auch zur Bereicherung der Überlegungen des Stadtrates.

 

Jedenfalls scheint sich eine Diskussion zwischen den Fraktionen zu entwickeln, wie der Prozess der Umsetzung der Inklusion in der Stadt Trier organisiert werden kann. Der Verein „EINE Schule für ALLE“ wird sich hier weiter einmischen, versprach Hildegard Muriel zum Schluss und bot die Mitarbeit des Vereins beim Erstellen eines Inklusionskonzeptes an.

 

Wenn es kein Gremium der Zivilgesellschaft mit Einsicht in die Planungen und gewissen Mitspracherechten geben werde, wird der Verein voraussichtlich selbst eine Gruppe organisieren.

Hildegard Muriel, Vorsitzende

 

Share